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HBM4: Wie die nächste Speichergeneration KI-Chips verändert

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Bei künstlicher Intelligenz richtet sich der Blick häufig zuerst auf die Rechenleistung. Wie viele Rechenkerne besitzt ein Beschleuniger? Wie viele Operationen schafft er pro Sekunde? Wie groß ist das KI-Modell, das darauf ausgeführt werden kann?

Doch moderne KI-Systeme stoßen zunehmend an eine andere Grenze: Die Recheneinheiten müssen schnell genug mit Daten versorgt werden.

Genau deshalb hat High Bandwidth Memory in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. HBM sitzt besonders nahe an leistungsfähigen GPUs und KI-Beschleunigern und stellt eine wesentlich höhere Speicherbandbreite bereit als klassische Speicherarchitekturen.

Mit HBM4 folgt nun die nächste Entwicklungsstufe.

Dabei geht es nicht einfach darum, den vorhandenen Speicher etwas schneller zu machen. HBM4 verändert mehrere technische Eigenschaften gleichzeitig und soll eine noch engere Verbindung zwischen Rechenlogik und Speicher ermöglichen.

Für KI-Rechenzentren ist das besonders relevant. Denn dort entscheidet längst nicht mehr nur die Geschwindigkeit einzelner Prozessoren darüber, wie leistungsfähig ein System tatsächlich ist.


🧠 Weshalb KI-Chips überhaupt so viel Speicherbandbreite benötigen

Ein moderner KI-Beschleuniger besitzt eine enorme Zahl parallel arbeitender Recheneinheiten.

Diese können nur dann kontinuierlich rechnen, wenn ihnen ausreichend Daten zur Verfügung stehen.

Man kann sich das wie eine große Fabrik vorstellen.

In der Produktionshalle stehen hunderte Maschinen. Jede könnte innerhalb weniger Sekunden ein Bauteil bearbeiten. Die Teile werden jedoch über ein Transportsystem angeliefert.

Sind die Förderbänder zu langsam, stehen Maschinen still.

Eine weitere Maschine aufzustellen würde die Produktion dann kaum erhöhen.

💡 Bei KI-Chips kann Speicherbandbreite eine ähnliche Rolle spielen: Nicht die Recheneinheit selbst, sondern die Versorgung mit Daten wird zum Engpass.

Genau hier setzt HBM an.

Statt Speicherchips weit entfernt auf einer Platine anzubinden, werden mehrere Speicher-Dies gestapelt und sehr nahe an den eigentlichen Beschleuniger gebracht.

Kurze Signalwege und eine extrem breite Schnittstelle ermöglichen es, sehr große Datenmengen parallel zu übertragen.

HBM4 entwickelt dieses Prinzip weiter.


⚡ HBM4 verbreitert die Datenautobahn

Bei Speicher wird Geschwindigkeit gerne ausschließlich über Taktraten betrachtet. Für High Bandwidth Memory ist jedoch auch die Breite der Schnittstelle entscheidend.

Statt Daten ausschließlich immer schneller durch wenige Leitungen zu schicken, können sehr viele Datenleitungen parallel verwendet werden.

Das lässt sich mit einer Autobahn vergleichen.

Eine Möglichkeit besteht darin, das Tempolimit zu erhöhen.

Die andere besteht darin, aus vier Fahrspuren acht zu machen.

Selbst wenn jedes einzelne Fahrzeug gleich schnell fährt, können über die breitere Autobahn wesentlich mehr Fahrzeuge gleichzeitig ihr Ziel erreichen.

HBM4 verfolgt genau diese Richtung besonders konsequent.

Die Speicheranbindung wird gegenüber vorherigen Generationen deutlich breiter. Dadurch kann die gesamte Speicherbandbreite steigen, ohne ausschließlich immer höhere Signalfrequenzen erzwingen zu müssen.

📊 Das Grundprinzip

EntwicklungWirkung
Breiteres Interfacemehr Daten gleichzeitig übertragbar
Höhere Datenratemehr Übertragungen pro Sekunde
Größere HBM-Stackshöhere Speicherkapazität möglich
Enge Integrationkurze Datenwege zum Beschleuniger
Neue Packaging-Verfahrenkomplexere KI-Systeme möglich

Für Anwendungen bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass jede Berechnung entsprechend schneller wird.

Der Vorteil entsteht vor allem dort, wo Speicherbandbreite tatsächlich der begrenzende Faktor ist.


🧱 HBM besteht aus gestapeltem Speicher

Der charakteristische Aufbau von High Bandwidth Memory bleibt auch bei HBM4 erhalten.

Mehrere Speicher-Dies liegen übereinander. Vertikale elektrische Verbindungen führen durch beziehungsweise zwischen den einzelnen Ebenen des Stapels.

Dadurch entsteht ein kompakter Speicherblock mit hoher Kapazität und enorm vielen Datenleitungen.

Vereinfacht sieht ein solcher Aufbau so aus:

Speicher-Die

Speicher-Die

Speicher-Die

Speicher-Die

Basis-Die

Verbindung zum Beschleuniger

In realen Produkten können deutlich mehr Ebenen vorhanden sein und der Package-Aufbau ist erheblich komplizierter.

Entscheidend ist das Prinzip:

Speicher wird nicht mehr wie ein entferntes Zubehör behandelt, sondern zu einem eng integrierten Bestandteil des Rechensystems.


🔬 Der Base Die wird bei HBM4 besonders interessant

Am unteren Ende eines HBM-Stacks befindet sich der sogenannte Base Die.

Er bildet vereinfacht die Schnittstelle zwischen den darüberliegenden Speicher-Dies und dem restlichen System.

Mit HBM4 gewinnt dieser Bereich zusätzliche Bedeutung.

Fortschrittlichere Fertigungsverfahren ermöglichen es, dort komplexere Logik unterzubringen. Damit verschwimmen die traditionellen Grenzen zwischen reinem Speicherchip und Logik zunehmend.

Das eröffnet interessante Möglichkeiten.

Bestimmte Funktionen für Steuerung, Datenverwaltung oder Signalverarbeitung können näher an den Speicher rücken.

🧩 Weshalb das relevant ist

Jeder Datenweg kostet Zeit und Energie.

Müssen Informationen ständig zwischen weit voneinander entfernten Komponenten transportiert werden, steigt der Aufwand.

Kann ein Teil der notwendigen Logik näher am Speicher ausgeführt werden, lassen sich bestimmte Abläufe effizienter organisieren.

Das bedeutet nicht, dass der HBM-Stack plötzlich selbst zur GPU wird.

Es zeigt vielmehr eine größere Entwicklung der Halbleiterindustrie:

Rechenlogik, Speicher und Datenverbindungen werden zunehmend gemeinsam als ein Gesamtsystem entwickelt.


🤖 Große KI-Modelle verschärfen das Speicherproblem

Bei einem kleinen KI-Modell fällt Speicherbedarf weniger stark ins Gewicht.

Bei sehr großen Modellen verändert sich die Situation.

Milliarden von Parametern müssen gespeichert und während der Berechnung verfügbar gemacht werden. Zusätzlich entstehen Zwischenergebnisse und weitere temporäre Daten.

Damit treten zwei unterschiedliche Grenzen auf.

📦 Grenze 1: Speicherkapazität

Das Modell beziehungsweise die für eine Berechnung benötigten Daten müssen in den verfügbaren Speicher passen.

Reicht die Kapazität eines einzelnen Beschleunigers nicht aus, müssen Daten verteilt oder mehrere Beschleuniger eingesetzt werden.

🚀 Grenze 2: Speicherbandbreite

Selbst wenn alle Daten in den Speicher passen, müssen sie schnell genug zu den Recheneinheiten gelangen.

Ein riesiger Speicher hilft wenig, wenn dessen Daten nicht schnell genug abgerufen werden können.

HBM4 soll deshalb gleichzeitig an mehreren Stellen ansetzen: mehr Kapazität, höhere Bandbreite und eine engere Integration in leistungsfähige Beschleuniger.


🧮 Training und Inferenz stellen unterschiedliche Anforderungen

Nicht jede KI-Anwendung belastet den Speicher auf dieselbe Weise.

Beim Training werden enorme Datenmengen verarbeitet und zahlreiche Zwischenergebnisse gespeichert. Parameter werden gelesen, verändert und erneut geschrieben.

Bei der Inferenz – also der Verwendung eines bereits trainierten Modells – verändern sich die Datenbewegungen.

Hier kann beispielsweise entscheidend sein, wie schnell Modellgewichte verfügbar sind und wie effizient viele gleichzeitige Anfragen verarbeitet werden können.

🔍 Ein praktischer Unterschied

Ein Unternehmen trainiert ein Modell möglicherweise nur gelegentlich.

Anschließend wird dieses Modell jedoch millionenfach für Suchanfragen, Übersetzungen, Bildanalyse oder KI-Assistenten verwendet.

Damit kann die wirtschaftliche Bedeutung einer effizienten Inferenz enorm sein.

Eine Speicherarchitektur muss deshalb nicht nur maximale Leistung ermöglichen.

Sie muss diese Leistung auch möglichst energieeffizient und dauerhaft bereitstellen können.


🌡️ Mehr Leistung erzeugt neue Herausforderungen

HBM4 löst nicht einfach sämtliche Speicherprobleme.

Je mehr Speicher-Dies gestapelt und je dichter Hochleistungskomponenten innerhalb eines Packages angeordnet werden, desto anspruchsvoller werden andere Bereiche.

Dazu gehören:

🔥 Wärmeabfuhr
⚡ Stromversorgung
🏭 Fertigungsausbeute
🧩 Packaging
📐 Platzbedarf
💰 Produktionskosten

Gerade die Wärmeentwicklung ist nicht trivial.

Ein KI-Beschleuniger kann selbst enorme Mengen elektrischer Leistung aufnehmen. Direkt daneben befinden sich mehrere leistungsfähige Speicherstapel.

Die entstehende Wärme muss zuverlässig abgeführt werden, ohne dass einzelne Komponenten ihre zulässigen Temperaturen überschreiten.

Das zeigt erneut:

Eine schnellere Speichertechnologie allein ergibt noch keinen guten KI-Beschleuniger.

Erst das Zusammenspiel aus Rechenchip, Speicher, Package, Stromversorgung und Kühlung entscheidet über das Ergebnis.


💰 HBM4 ist kein Speicher für den normalen Desktop-PC

Wer heute einen PC mit 32 oder 64 GB Arbeitsspeicher zusammenstellt, wird HBM4 nicht als Alternative zu gewöhnlichen DDR-Modulen kaufen.

Dafür ist die Technik auch nicht gedacht.

HBM verfolgt andere Prioritäten:

extreme Bandbreite, kompakte Integration und kurze Datenwege.

DDR-Arbeitsspeicher bietet dagegen wichtige Vorteile für gewöhnliche Computer:

✔ preisgünstiger
✔ austauschbar
✔ standardisiert
✔ leicht erweiterbar
✔ große Kapazitäten wirtschaftlich realisierbar

Bei einem KI-Beschleuniger im Rechenzentrum sieht die Rechnung anders aus.

Wenn ein extrem teurer Prozessor aufgrund mangelnder Speicherbandbreite einen Teil seiner Recheneinheiten nicht auslasten kann, wird ebenfalls Geld verschwendet.

Dort kann ein teurerer Speicher wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn er die Auslastung des gesamten Beschleunigers verbessert.


🔗 HBM4 passt zu einer größeren Veränderung der Computerarchitektur

HBM4 sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden.

Mehrere Technologien entwickeln sich derzeit parallel:

🧩 Chiplets ermöglichen modular aufgebaute Prozessoren.

🔗 UCIe standardisiert Verbindungen zwischen einzelnen Dies.

CXL verbindet Speicher und Beschleuniger auf Systemebene.

🧠 HBM4 stellt extrem schnelle lokale Speicherressourcen bereit.

🤖 Spezialisierte KI-Beschleuniger übernehmen Berechnungen, die früher hauptsächlich CPUs oder GPUs erledigten.

Zusammen ergibt sich ein neues Bild.

Der klassische Computer bestand vereinfacht aus einem Prozessor, Arbeitsspeicher und einigen angeschlossenen Geräten.

Moderne Hochleistungssysteme bestehen zunehmend aus vielen spezialisierten Bausteinen, die über unterschiedliche Hochgeschwindigkeitsverbindungen miteinander kommunizieren.

Die entscheidende Frage lautet deshalb immer weniger:

Wie schnell ist dieser eine Chip?

Sondern:

Wie effizient arbeitet das gesamte System zusammen?

HBM4 ist ein gutes Beispiel für diesen Wandel.

Denn selbst die leistungsfähigste Recheneinheit kann nur mit den Daten arbeiten, die ihr rechtzeitig zur Verfügung stehen.

🏭 HBM4 verändert auch die Rollen der Speicherhersteller

Bei gewöhnlichem Arbeitsspeicher erscheint der Speicherhersteller für viele Anwender beinahe austauschbar. Entscheidend sind Kapazität, Geschwindigkeit, Kompatibilität und Preis.

Bei HBM ist die Situation komplizierter.

Der Speicher muss sehr eng mit dem jeweiligen Beschleuniger, dessen Speichercontroller und dem verwendeten Package zusammenspielen. Dadurch werden Speicherentwicklung und Prozessorentwicklung stärker voneinander abhängig.

Für einen Hersteller von KI-Beschleunigern reicht es nicht, einen leistungsfähigen Rechenchip zu entwickeln und anschließend irgendeinen passenden Speicher daneben zu platzieren.

Mehrere Faktoren müssen gemeinsam geplant werden:

🧠 benötigte HBM-Kapazität
⚡ erforderliche Speicherbandbreite
📐 Anzahl und Anordnung der Speicherstapel
🌡️ Wärmeentwicklung
🔌 Leistungsaufnahme
🧩 Packaging und Verbindungstechnik
🏭 verfügbare Produktionskapazitäten

Damit wird HBM zu einem strategischen Bestandteil der gesamten Plattform.

Ein technisch hervorragender Beschleuniger kann schließlich nur in großen Stückzahlen produziert werden, wenn auch genügend geeigneter Speicher und entsprechende Packaging-Kapazitäten verfügbar sind.


📦 Weshalb mehr HBM-Kapazität nicht nur Komfort bedeutet

Bei einem normalen PC lässt sich fehlender Arbeitsspeicher vergleichsweise einfach verstehen. Werden zu viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet, muss das Betriebssystem Daten auslagern oder Programme reagieren langsamer.

Bei großen KI-Systemen kann die verfügbare Speicherkapazität wesentlich grundlegender darüber entscheiden, wie ein Modell überhaupt ausgeführt werden kann.

Passt ein Modell nicht in den Speicher eines einzelnen Beschleunigers, muss es beispielsweise auf mehrere Einheiten verteilt werden.

Das ist möglich, erzeugt aber zusätzliche Kommunikation.

💡 Vereinfachtes Beispiel

Angenommen, ein Modell benötigt einschließlich der während der Verarbeitung notwendigen Daten mehr Speicher, als ein einzelner Beschleuniger bereitstellen kann.

Dann gibt es grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten:

MöglichkeitVorteilNachteil
Modell auf mehrere Beschleuniger verteilenzusätzliche GesamtkapazitätKommunikation zwischen Chips notwendig
Daten teilweise auslagernvorhandene Hardware weiter nutzbarlangsamere Datenwege möglich
Speicherbedarf reduzierenweniger Hardware notwendigkann Anpassungen am Modell erfordern
Beschleuniger mit mehr HBM verwendeneinfachere Speicherorganisationhöhere Hardwarekosten

Mehr HBM kann deshalb nicht nur eine Leistungsfrage sein.

Ausreichende lokale Speicherkapazität kann die Architektur des gesamten KI-Systems vereinfachen.


🚦 HBM4, HBM3E und normaler RAM erfüllen unterschiedliche Aufgaben

HBM4 lässt sich nicht sinnvoll allein danach beurteilen, ob es schneller als eine vorherige Speichertechnologie ist.

Interessanter ist die Frage, für welche Aufgabe der jeweilige Speicher eingesetzt wird.

SpeicherTypische StärkeTypischer Einsatz
DDRgünstige hohe KapazitätPC und Server-Hauptspeicher
GDDRhohe GrafikbandbreiteGrafikkarten
HBM3Esehr hohe Bandbreite nahe am Chipaktuelle Hochleistungsbeschleuniger
HBM4noch stärkere Integration und Bandbreitekommende KI- und HPC-Systeme
SSD/NVMesehr große dauerhafte KapazitätMassenspeicher

Eine moderne KI-Infrastruktur kann mehrere dieser Speicherarten gleichzeitig verwenden.

Ein Datensatz liegt beispielsweise dauerhaft auf SSD-Systemen. Benötigte Teile gelangen in den Arbeitsspeicher eines Servers und anschließend in den besonders schnellen lokalen Speicher eines Beschleunigers.

Das bedeutet:

Nicht jeder Speicher muss maximal schnell sein.

Er muss für seine Position innerhalb der Speicherhierarchie geeignet sein.


⚠️ Drei Missverständnisse rund um HBM4

Gerade bei neuen Halbleitertechnologien werden technische Verbesserungen schnell zu einfachen Werbeaussagen verkürzt.

❌ „HBM4 macht jeden KI-Chip automatisch schneller“

Nein.

Ist eine Anwendung hauptsächlich durch die Rechenleistung begrenzt, kann zusätzliche Speicherbandbreite nur begrenzt helfen.

HBM4 entfaltet seinen Vorteil besonders bei Anwendungen, bei denen große Datenmengen schnell zwischen Speicher und Recheneinheiten bewegt werden müssen.

❌ „HBM4 ersetzt normalen Arbeitsspeicher“

Auch das ist nicht das Ziel.

DDR und HBM besitzen unterschiedliche Kostenstrukturen und Einsatzbereiche. Ein Server kann weiterhin große Mengen klassischen Arbeitsspeichers besitzen und gleichzeitig Beschleuniger mit HBM verwenden.

❌ „Entscheidend ist nur die HBM-Kapazität“

100 GB schneller Speicher sind nicht automatisch leistungsfähiger als 80 GB eines anderen Systems.

Kapazität sagt zunächst nur aus, wie viele Daten hineinpassen.

Für die Leistung spielen zusätzlich Bandbreite, Speichercontroller, Rechenarchitektur, Software und Interconnects eine Rolle.


🔍 Welche Angaben bei HBM4 wirklich interessant sind

Wenn erste beziehungsweise neue HBM4-basierte Beschleuniger miteinander verglichen werden, lohnt sich deshalb ein Blick über die reine Produktbezeichnung hinaus.

📊 Diese Werte sollte man gemeinsam betrachten

Speicherkapazität:
Wie viele Daten können lokal am Beschleuniger gehalten werden?

Speicherbandbreite:
Welche Datenmenge kann theoretisch innerhalb einer bestimmten Zeit übertragen werden?

Anzahl der HBM-Stacks:
Wie ist der Speicher rund um beziehungsweise gemeinsam mit der Recheneinheit organisiert?

Leistungsaufnahme:
Welche Energie benötigt die gesamte Beschleunigerplattform?

Interconnect:
Wie schnell können mehrere Beschleuniger untereinander Daten austauschen?

Rechenleistung:
Welche Leistung besitzt der eigentliche Prozessor für die betreffende Datenart?

Softwareunterstützung:
Kann die verwendete Anwendung diese Hardwarearchitektur effizient ausnutzen?

🔎 Merksatz: Ein KI-Beschleuniger ist kein einzelner schneller Chip mit etwas Speicher daneben. Er ist ein abgestimmtes System aus Rechenlogik, Speicher, Datenwegen, Packaging und Software.


⚡ Lokaler HBM und CXL-Speicher sind keine Gegenspieler

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, immer größere HBM4-Kapazitäten würden zusätzliche Speichertechnologien überflüssig machen.

Tatsächlich können beide Ansätze unterschiedliche Probleme lösen.

HBM sitzt besonders nahe an der Recheneinheit und eignet sich für Daten, die mit sehr hoher Bandbreite verfügbar sein müssen.

CXL kann dagegen auf einer anderen Ebene zusätzliche Speicherressourcen in ein System integrieren.

Eine mögliche zukünftige Speicherhierarchie könnte deshalb vereinfacht so aussehen:

KI-Beschleuniger

🔥 HBM4 – extrem schnell und lokal

zusätzlicher Arbeitsspeicher

🗄️ CXL-Speicher – größere flexible Kapazität

💾 NVMe/SSD – dauerhafte Datenhaltung

Nicht jede Anwendung wird eine solche Struktur benötigen.

Das Prinzip zeigt jedoch, wohin sich große Computersysteme entwickeln können: Unterschiedliche Speicherklassen werden nach Geschwindigkeit, Kapazität und Kosten kombiniert.


🧩 HBM4 zeigt, weshalb Packaging immer wichtiger wird

Früher ließ sich die Entwicklung eines Prozessors vergleichsweise leicht anhand seiner Fertigungsstruktur erklären: kleinere Transistoren, mehr Transistoren und höhere Leistung.

Heute reicht das nicht mehr.

Wie einzelne Komponenten miteinander verbunden und innerhalb eines Packages angeordnet werden, beeinflusst die Leistungsfähigkeit zunehmend.

Bei HBM4 wird das besonders deutlich.

Speicherstapel, Base Dies, Beschleuniger und Verbindungsebenen müssen auf engem Raum zusammenarbeiten. Dabei müssen gleichzeitig elektrische Signale übertragen, enorme Datenmengen bewegt und entstehende Wärme abgeführt werden.

Das Package wird damit selbst zu einem Teil der Architektur.

🧩 Chiplets ermöglichen eine Aufteilung der Logik.

🧠 HBM4 bringt Speicher dicht an diese Logik.

🔗 moderne Interconnects verbinden die Komponenten.

🌡️ Kühlung hält das Gesamtsystem innerhalb seiner Betriebsgrenzen.

Diese Entwicklung erklärt auch, weshalb moderne Hochleistungschips äußerlich immer weniger einem klassischen einzelnen Prozessor entsprechen.


🔭 Was HBM4 für die nächste Generation von KI-Systemen bedeutet

HBM4 beseitigt nicht plötzlich sämtliche Speicherengpässe.

Auch zukünftige KI-Modelle werden wachsen. Beschleuniger werden leistungsfähiger. Mehrere Prozessoren werden zu immer größeren Clustern zusammengeschaltet.

Damit wächst gleichzeitig der Bedarf, Daten schnell und möglichst energieeffizient zu bewegen.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der nächsten HBM-Generation.

Nicht die Versionsnummer 4 ist entscheidend.

Entscheidend ist, dass Speicherentwicklung inzwischen genauso ernst genommen werden muss wie die Entwicklung der eigentlichen Recheneinheiten.

Ein Beschleuniger kann nur rechnen, wenn seine Daten rechtzeitig eintreffen. Je größer der Abstand zwischen theoretischer Rechenleistung und tatsächlich verfügbarer Speicherbandbreite wird, desto mehr Leistung bleibt ungenutzt.

HBM4 versucht diesen Abstand weiter zu verkleinern.

🧠 Der entscheidende Wandel

Lange wurde ein neuer Prozessor hauptsächlich danach beurteilt, wie viel schneller seine Recheneinheiten geworden sind.

Bei modernen KI-Systemen reicht diese Betrachtung nicht mehr.

Die entscheidende Frage lautet zunehmend:

Wie schnell kann das gesamte System die benötigten Daten bereitstellen, verarbeiten und anschließend weitertransportieren?

Damit werden Speicherbandbreite, Packaging und Interconnects zu ebenso wichtigen Leistungsfaktoren wie die eigentliche Rechenlogik.

HBM4 steht exemplarisch für diese Entwicklung: Der Speicher befindet sich nicht länger nur neben dem Prozessor – er wird immer stärker Teil seiner Architektur.